Das Schlosshotel Ralswiek wurde im 19. Jahrhundert im Stil der Neorenaissance erbaut und prägt seitdem die Kulisse über dem Großen Jasmunder Bodden.

WOHNEN IM ERBE VERGANGENER ZEITEN
Das Schlosshotel Ralswiek blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die bis ins 19. Jahrhundert reicht, als das Schloss im Stil der Neorenaissance hoch über dem Großen Jasmunder Bodden erbaut wurde. Nach wechselvollen Jahrzehnten erstrahlt das historische Anwesen heute als stilvolles Hotel, das gelebte Geschichte mit stilvoller Gastlichkeit verbindet.
Das mehr als eintausend Jahre alte Ralswiek war früher ein bedeutender Seehandelsplatz. Ralswiek ist zudem ein alter Siedlungsplatz und war im Lehensbesitz verschiedener rügenscher Adelsfamilien. Hugo Sholto Graf Douglas ließ von 1894 bis 1896 das Schloss nach Entwürfen des Berliner Architekten Gustav Stroh errichten. 1913 erfolgte der Anbau des Marstalls nach Entwurf des Stralsunder Baumeisters Franz Juhre. Der das Haus umgebende Park wurde im Jahr 1810 angelegt und später von Graf Douglas erweitert und ausgebaut. Die weitgehend erhaltene Inneneinrichtung wurde teilweise von dem bedeutenden Jugendstil-Architekten Henry van de Velde entworfen (Eingangshalle, Treppenhaus, Vertäfelungen, Türgriffe, Glasfenster). Nach der Enteignung der Familie Douglas nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schloss als Altenheim und später als Behinderten- und Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes genutzt.
Nach dem Erwerb der Familie Raulff wurde das Schloss von 1999 bis 2002 zu dem heutigen Schlosshotel Ralswiek umgebaut. Heute erwarten Sie 65 stilvoll eingerichtete Zimmer und zwei Suiten. Das elegante Schlossrestaurant ist zudem Träger des Zertifikats „Regionale Esskultur“. Alljährlich von Juni bis Anfang September finden unterhalb vom Schloss auf der Freilichtbühne Ralswiek die bekannten Störtebeker-Festspiele statt. Von der Terrasse aus eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf die Naturbühne sowie den Großen Jasmunder Bodden.
1891
1893-1896
1894
1909
1912/1913
1946
bis 1955
1958/59
bis 1997
1999
2000-2002
2002
2003
2009
2012
2022
Der Bauherr des Schlosses von Ralswiek, Hugo Sholto Oskar Georg Graf Douglas, geboren am 19. April 1837 in Aschersleben, entstammte einer um 1770 aus Glaubensgründen von Schottland nach Deutschland ausgewanderten Familie. Sowohl sein Urgroßvater als auch sein Großvater waren evangelische Geistliche. Sein Vater befasste sich mit Bergbau, insbesondere mit dem Abbau von Braunkohle im Tagebau. Hugo Sholto Douglas studierte in Berlin und Heidelberg Chemie. Seine berufliche Tätigkeit nach dem Studium konzentrierte sich auf den Kalisalz- und Braunkohlenbergbau. Er entdeckte das nach ihm benannte Kalisalz Douglasit und gründete das familieneigene "Kali und Steinsalz Bergwerk Douglashall". Douglas engagierte sich auch sozial. Im Jahr 1884 gründete er eine Zentralstelle für Volkswohlfahrt, den Evangelischen Trostbund und 1886 eine Stiftung der Familie und einen Kindergarten. 1888, im Jahr der Krönung von Wilhelm II., wurde Douglas in den Grafenstand erhoben.
Nach einem Besuch auf Rügen, bei dem er die reizvolle Landschaft der Insel kennen gelernt hatte, entschloss sich der erfolgreiche Großindustrielle im Jahr 1891 zum Erwerb des Gutes Ralswiek, um sich dort einen Alterssitz errichten zu lassen. Der neue Besitzer erwarb mit diesem so genannten Fideikommisgut auch den erblichen Grafentitel, der an den Besitz des unteilbaren Gutes gebunden war. Auf der Anhöhe über der malerischen Bucht des Großen Jasmunder Boddens ließ Graf Douglas für sich und seine Familie 1893-96 sein neues Zuhause erbauen. Mit dem Entwurf für das Schloss beauftragte er den Berliner Architekten und Baurat Gustav Stroh (1846-1904). Dieser legte ein Konzept für einen zweigeschossigen turmbewehrten Prachtbau im Stil französischer Renaissanceschlösser an der Loire vor, der offensichtlich den Beifall des Bauherrn fand. Im rechten Winkel und in geringem Abstand zum prächtigen Schloss errichtete man eine Reithalle mit einem Staffelgiebel und vier kleinen Ecktürmchen. Um das Schloss herum wurde nach 1894 die bereits seit 1810 bestehende Parkanlage zu einem Landschaftspark mit vielen dendrologischen Seltenheiten umgestaltet und erweitert einschließlich der großen Rasenflächen, die sich vom Schloss bis hin zum Großen Jasmunder Bodden erstrecken. Die kleine Holzkapelle am Dorfeingang ließ der Graf im Jahr 1907 aufbauen; er hatte diese bei der Weltausstellung in Schweden gekauft. Im Jahr 1909 gab Hugo Sholto Graf Douglas seine Lebenserinnerungen unter dem Titel "Lebensbetrachtungen – Aphorismen zur Lebensweisheit" heraus.
Durch seine berufliche Tätigkeit lernte der Graf bereits Ende des 19. Jahrhunderts den belgischen Innenarchitekten Henry van de Velde (1863-1957) kennen, der für sein künstlerisches Wirken im Jugendstil in ganz Europa bekannt ist. Gemeinsam planten sie den Umbau einiger Teile des Schlosses. Henry van de Velde lieferte die Vorlagen für die aufwändigen Wandvertäfelungen mit vergoldeten Ornamenten im Eingangsbereich, für die Gestaltung der großen Eingangshalle mit dem prächtigen Kamin und der repräsentativen Treppe zum Obergeschoss, für den Salon (heute Bibliothek), den großen Salon mit der Wandtäfelung und den darin eingebauten Buffets, den Wandleuchten wie auch den eleganten Messingtürgriffen im heutigen van de Velde Raum und die schönen Glasfenster im Flur des Obergeschosses. Des Weiteren stammt von ihm der Entwurf für den Verbindungstrakt zwischen Schloss und Reithaus. Jedoch verstarb Graf Douglas 1912 an seinem 75. Geburtstag und wurde in Ralswiek in der Nähe des Herrenhauses begraben. Nun war es die Aufgabe seines Sohnes Angus, sich mit dem Gestaltungsentwurf zu beschäftigen. Die Umsetzung der Entwürfe van de Veldes innerhalb des Hauses und den Bau des Verbindungstraktes zwischen den Häusern 1913/14 leitete der Stralsunder Baumeister Franz Juhre.
Auf Schloss Ralswiek verweilten u.a. große Persönlichkeiten der deutschen Geschichte, wie der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie Kaiser Wilhelm II. Sie waren von Schloss und Park begeistert. Bis zur Enteignung im Jahr 1946 blieb das Anwesen in Besitz der Familie Douglas. Nach der Bodenreform wurde das Schloss zunächst als Bleibe für Vertriebene genutzt, später beherbergte es viele Jahre ein Altersheim. Um mehr Raum für die Pflegebedürftigen zu schaffen, wurden Ende der 1950er Jahre im ehemaligen Marstall Zwischendecken eingezogen. Bis in die 90er Jahre betrieb das Deutsche Rote Kreuz hier ein Behindertenheim. Nach vierjährigem Leerstand erwarb die Kurimmobilien Raulff OHG das marode Gebäude. Zwischen 2000 und 2002 wurden umfassende Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Großen Wert legte Familie Raulff auf den Erhalt aller Details der Inneneinrichtung aus der Zeit um 1914. Dass van de Velde die Entwürfe für die repräsentativen Räume im Schloss lieferte, war bis dahin kaum bekannt gewesen, da diese wertvollen Arbeiten bislang nicht in der entsprechenden Fachliteratur erwähnt worden waren. Erst bei der Restaurierung des Schlosses und dessen Umbau zum Schlosshotel kam diese Tatsache ans Licht. Jetzt hat auch die Öffentlichkeit Zugang zu dieser künstlerisch besonders wertvollen Inneneinrichtung aus der Zeit des Art Nouveau. Die Fenster aus der Erbauungszeit sind in ihrer originalen Holzfarbigkeit erhalten. Das Dach wurde mit Schiefer neu gedeckt. Bei der feierlichen Eröffnung zum Schlosshotel im März 2002 waren der Enkel Graf Hugo Sholtos, Graf Angus Douglas sowie dessen Sohn, Archibald Angus, als Ehrengäste anwesend. Bis zu seinem Tod 2007 hielt Angus Douglas regen Kontakt zu unserem Haus und war begeistert, dass es Familie Raulff gelungen ist, aus diesem märchenhaften Anwesen ein Hotel für Kulturbegeisterte entstehen zu lassen.
Seit 2003 ist Schloss Ralswiek offizielle Außenstelle des Standesamtes Bergen auf Rügen. Jährlich finden hier ca. 100 Trauungen statt. Jedes Jahr im Februar laden die Hochzeitsplaner des Hauses interessierte Brautpaare zur zweitägigen Hochzeitsgala ein. Das traditionelle Turmblasen und der entzückende Weihnachtsmarkt finden im Advent statt. 2009 war der Schlosspark Korrespondenzprojekt der BUGA und wurde von vielen Gästen besucht. Am Ufer unterhalb des Schlosses finden alljährlich von Mitte Juni bis Anfang September die Störtebeker Festspiele auf der schönen Naturbühne am Großen Jasmunder Bodden statt, die man als Zuschauer vor Ort oder von der Schlossterrasse aus miterleben kann.
In der Zeit der Ranen (9. bis 12. Jh.) war Ralswiek eine der bedeutendsten slawischen Siedlungen an der gesamten deutschen Ostseeküste und damit ein sehr wichtiger Seehandelsplatz. Die Handelsbeziehungen reichten damals bis in den Orient, wie der bei Ausgrabungen 1974 geborgene und aus 2000 Gold- und Silbermünzen bestehende Dirham-Schatz beweist. Bei weiteren Ausgrabungen in der Umgebung wurden vier bis 13 Meter lange und über 3 Meter breite altslawische Eichenholzboote gefunden. Nach der Christianisierung wurde Ralswiek Tafelgut des Bischofs von Roskilde. Ende des 15. Jahrhunderts gelangte es in gutsherrlichen Besitz. Mit Unterbrechungen gehörte das Gut bis 1891 der Familie Barnekow, die es an Graf Douglas veräußerte, der das Dorf dann grundlegend veränderte. Die alten reetgedeckten Landarbeiterkaten wurden abgerissen und an ihrer Stelle Ziegelhäuser errichtet. Auch das aus dem 15. Jahrhundert am Bodden gelegene Herrenhaus fiel der Spitzhacke zum Opfer; es wurde teilweise neu gebaut. Oberhalb der alten Gutsanlage schuf sich der vermögende Graf eine standesgemäße Bleibe, in der Sie herzlich willkommen sind.

